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Ueli Lattmann & Andrea Jungen
Malawi, the warm heart of Africa und Afrikas Vielfalt auf kleinstem Raum
Wir haben uns in Luangwa/Sambia ganz kurzfristig entschieden, nach Malawi zu fahren::
weil es so nah ist und wir wohl nie wieder so nah sein werden
weil es so schön sein soll
weil es einen wunderbaren grossen See hat
weil die Wetterprognosen im Westen von Sambia nicht so toll sind und für Malawi im Osten mehr Sonne und weniger Regen voraussagen
Noch nie sind wir in ein Land gereist, für das wir nicht mindestens eine Karte gekauft/herun tergeladen oder ein Reisebuch gelesen haben. Wir haben keine weitere Ahnung und Wissen über Malawi als das Wissen über den drittgrössten See in Afrika. Als wir darüber mit unseren neuen Bekannten aus Bayern sprechen, bringt mir Gerhard ein Buch; es ist das Reisehandbuch von Ilona Hupe, meiner Lieblingsautorin, über Malawi!
Gerhard und Dennis reisen ebenfalls nach Malawi, weil sie an der Brunnen-Einweihung für eine Schule , die sie unterstützen, teilnehmen werden und laden uns ein, mitzukommen.
Tja, das Ziel der Schule ist uns zu weit entfernt und wir wollen derzeit nicht Kilometer bolzen resp. stundenlang über Schlagloch-Pisten holpern, auch wenn es sicher einmalig wäre, an einem Dorffest/Schulfest in Malawi teilzunehmen. Wir wählen den gemächlicheren Weg und nehmen uns vor, sich die Dinge entwickeln zu lassen.
Malawi begrüsst uns bereits an der Grenze mit viel Herzlichkeit, Wärme, Lachen, Professionalität der Grenzbeamten: diese Offenheit und Herzlichkeit wird uns jeden Tag neu begleiten und erstaunen und uns einfach Wohlfühlen, Sicherheit und Freude schenken.
Malawi ist seit Jahrtausenden rund um den See herum bewohnt. Das frühere Reich Maravi (das Wort bedeutet "widerspiegelndes Licht") wurde von Bantustämmen aus dem Norden gegründet, welche sich am See ansiedelten. Mit derzeit etwa 21 Mio. Einwohnern auf 118 484km2 zählt Malawi zu den am dichtesten bevölkerten ländern Afrikas. 45% der Bevölkerung sind jünger als 15 Jahre. Die Zugehörigkeit zu den verschiedenen ethnischen Gruppen ist auch in Malawi enorm wichtig und identitätsstiftend. Die meisten Menschen sprechen Chewa, aber auch etwas englisch, besonders in den Reiseregionen. Malawi ist eines der Länder, die früh missioniert wurden und es noch heute viele verschiedene Kirchen und Freikirchen, aber regional unterschiedlich auch viele islamische Moscheen gibt. Malawi ist von grosser religiöser Toleranz geprägt, auch Naturreligionen (Animismus) haben sich mit dem Christentum vermischt. Der Glaube an die Macht der Ahnen und Geister ist in der Gesellschaft tief verankert.
Derzeit ist Regenzeit und wir sind diesbezüglich besonders gespannt, was uns erwartet.
Chipata, Grenzstadt in Zambia: Sonne macht erfinderisch

Was uns nach dem sehr herzlichen und speditiv ablaufenden Grenzprocedere zuerst auffällt, sind die gute Strasse und die vielen Menschen: zu Fuss unterwegs am Strassenrand, auf Velos, in Karren, in Gruppen, am Arbeiten. Und dann fällt uns auf, wie sauber die Dörfer sind, wir akurat die Aecker nun für die Pflanzungen in der Regenzeit vorbereitet sind. Wir geniessen es, durch den Nachmittag Richtung Lilongwe, der Hauptstadt, zu fahren.


Es gibt (fast) nichts, was nicht auf einem Velo transportiert werden könnte....... oder am Strassenrand zu kaufen wäre.




Es ist später Nachmittag, als wir uns der Hauptstadt Lilongwe nähern und wir sind froh, auf der Reise-App eine gute Übernachtungsmöglichkeit gefunden zu haben. Allerdings entpuppt sich der Ort insofern als Enttäuschung, weil "closed on Mondays"..... alles Hupen und Rufen nützt nichts, wir stehen vor dem geschlossenen Tor, schauen in den blühenden Garten und müssen trotz beginnender Dunkelheit umdrehen.
Es beginnt zu regnen, es ist dunkel, die Velos haben kein Licht und schwarze Menschen unterwegs am Strassenrand in der Dunkelheit sieht man gar nicht gut: Ueli kämpft sich nach der bisher langen Fahrt vorsichtig im grossen Verkehr durch die Hauptstadt zu einem anderen Übernachtungsort. Wir sind einmal mehr froh über unsere Navigationssysteme und erstaunt über die grossen, sauberen, mehrspurigen Strassen und die gute Beschilderung: ein totaler Gegensatz zu Lusaka/Zambia. Glücklich erreichen wir schliesslich nach einer weiteren Stunde das Woodland Camp&Lodge quasi mitten in der Stadt in einem Waldschutzgebiet. Es verfügt über ein Restaurant, wo wir wunderbares indisches Essen geniessen!
Am nächsten Tag gilt es, sich zuerst eine Malawi-SIM-Karte zu besorgen: wiederum so eine fröhliche, herzliche Begegnung mit der jungen Frau und ein total schneller, guter Service (alle lieben Ueli)!
Überall blühen auf unserem weiteren Weg an den Lake Malawi riesige Flamboyant-Trees: Schatten und Schutz-Spender für so Vieles.


Velowerkstatt

Unser erste Campsite am Lake Malawi: wunderbare Lage in Senga
Leider stellt sich heraus, dass an dieser Bucht auf der andern Seite der Felsen "aller Gattig"- Leute den Abend und die Nacht verbringen, vor allem trinkender Weise. Wir verlassen diesen Ort, den Andere als fröhlich beschrieben haben, nach zwei Nächten wieder; vielleicht sind wir zu alt dafür und auch die Infrastruktur ist sehr "basic" (nach Covid besteht an vielen Orten ein existentielles Problem, wie wir verschiedentlich erfahren).

Eine nicht allzu lange Fahrt durch die von Ackerbau und Baobabs geprägte Landschaft in der Ebene zwischen See und Bergen bringt uns zu der Mua-Mission: Im Reiseführer habe ich diesen Ort entdeckt, den wir unbedingt besuchen wollen.


Mua Mission
Im vorletzten Jahrhundert gründeten die ersten vier "weissen Väter" die Mua Mission und schufen neben der Missions-Station ein Lepra-Spital und eine grosse Schule. Durch das Engagement eines Priesters, selber Anthropologe und mit einem grossen künstlerischen Gespür, unterstützte die Mission lokale Künstler und der Ort entwickelte sich zu einer nationalen Kulturbegegnungsstätte, wo Handwerker und Künstler aller grossen ethnischen Gruppen zusammenarbeiten. Pater Boucher gestaltete die Mua Mission in den letzten fünfzig Jahren zusammen mit den Künstlern und Schamanen und forderte sie bewusst zur Auseinandersetzung mit ihrer eigenen Kultur auf. Es entstand ein einzigartiges, dreiteiliges anthropologisches Museum (wo man leider innen nicht fotografieren darf) und auf den Aussenwänden ist die Entstehungsgeschichte der Welt (matriarchales Prinzip) sowie die Entstehung und Geschichte von Malawi dargestellt. Alle Gebäude und Malereien und Schnitzereien wurden mit traditionellen Techniken und Materialien erbaut. Es ist ein Glanzstück entstanden, das uns tief beeindruckt hat.
Und wir waren ebenso beeindruckt von den Erläuterungen unseres Führers und vom Gesang der Menschen in der Missionskirche am anderen Morgen um 06.00 Uhr.


Toiletten-Häuschen mit handgeschnitzter Türe und Seifenhalter


Und es gibt auch ganz Weltliches hier: zwei Schweine wechseln Ort und Besitzer

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Wir wollen hier bewusst einen Eindruck darüber wiedergeben, wie die Konzeption der Entstehung resp. die Folgen von Chaos und Harmonie resp. der Welt-und Lebens-Dynamik aus anderer Optik verstanden werden kann


Masken haben eine sehr grosse Bedeutung in Malawi und vielen afrikan. Ländern. Sie sind unterschiedlich künstlerisch gestaltet, es gibt Federmasken, Dunkle Nachtmasken, Tiermasken, Fratzenmasken (die u.a. Europäer portraitieren). Jede hat eine wichige kulturelle und spirituelle Bedeutung.

Die Initiations-Masken der Eule (Initiationsritus der jungen Frauen) und der Hyäne am Eingang zu den Unterkünften haben uns besonders gefallen, jede Form und Farbe haben eine Bedeutung erklärt (es hätte zu weit geführt, alle Erklärungen festzuhalten).
Wir haben an diesem besonderen Ort übernachtet und fühlten uns nach anfänglichem ehrfürchtigem Staunen von den beleuchteten Masken schliesslich gut behütet.
Und noch mehr Weltliches: unser Kühlschrank ist launisch. Gerade hat er wieder mal fast zwei Tage nicht gearbeitet, nun funktioniert er mal wieder. Wir fragen in Golomoti nach einem Kühlschrank-Fachmann. Und tatsächlich, es gibt einen! Mit Hilfe vom Kontakt durch den lokalen Allwaren-Händler kommt er nach 30 Minuten auf seinem Töff angefahren, hat alles Werkzeug dabei, auch zwei Gasflaschen. Er legt sich unters Auto, schraubt, zieht Schrauben an und stellt fest, dass ja alles funktioniere.......wir haben nicht den Mut zu fragen, wie lange er denn eine Garantie geben würde....... es kostet 25 Franken und alles scheint dann i.O.!????


Während Ueli sich mit den Männern um die "Technik" kümmert, trifft Andrea halt ein paar Leute, die ihr Eier, Bananen, frisch gefangene Wildhasen etc. verkaufen wollen.


Nach zwei Stunden für 45 km Holperstrasse mit vielen Schlaglöchern kommen wir zum ersten Süsswasser-Nationalpark und Unesco-Weltkulturerbe in Malawi: der südlichen Halbinsel im See. Zunächst fahren wir kurz nach Monkey Bay, bevor wir ins Wald- und Berggebiet des Nationalparks und zum Ort Chembe fahren, wo wir morgen Gerhard und Dennis zu unserem Wiedersehen hier am See erwarten.
Unterwegs regnet es in Strömen, doch als wir im Eagles Nest Campsite in Chembe ankommen, scheint wieder die Sonne. Wie schön, so ankommen zu können im Wissen, dass wir einfach eine ganze Weile an diesem schönen Ort bleiben können und zurzeit keine konkreten weiteren Ziele haben.




Wir freuen uns sehr über das Wiedersehen mit Gerhard und Dennis, kochen gemeinsam in diesen zwei Tagen, gehen zum Fischmarkt, um uns einen Führer für den Bootsausflug am andern Tag zu organisieren.




Die Fischer fahren mit grossen und mit kleinen Booten, die einfach auf den Grossen mitgenommen werden, bei jedem Wetter auf den See hinaus. Die kleinen Boote werden aus grossen Baumstämmen geschnitzt, werden alleine oder zu zweit gefahren und wiegen sehr schwer.
Der Fang wird gleichentags direkt auf solchen offenen Räucherungsanlagen oder bei heissem und trockenem Wetter auf grossen Schilfmatten getrocknet.

Am Abend spielen zwei Musiker in der Bar: ganz gemütlich, wir geniessen es.

Unser dritter Advent: echli schaffe und den Abend mit dem kleinen Adventskranz von Meike geniessen.




Mit Charles, unserem lokalen Führer und seinem Bootsmann fahren wir vier zu einer Insel und zum Otters Point, um zu schnorcheln: der Lake Malawi hat das ganze Jahr über eine Temperatur zwischen 24 und 30 Grad. Der See ist bekannt für seinen Fischreichtum und für die einzigartigen Fische, die als Aquarium-Fische gezüchtet und in die ganze Welt exportiert werden. Schnorcheln hier ist ein Traum!


Zwischendurch ein paar Sprünge von Dennis ins warme Wasser und einfach auf den Felsen sitzen und geniessen......






Und zum Znacht natürlich ein schmackhaftes Fischgericht! Direkt am Strand, echli wie im Film.......


Es ist Zeit, dankbar für die gemeinsamen Tage Abschied zu nehmen: Dennis und Gerhard fahren nach Lilongwe, da sie übermorgen nach Hause fliegen. Wir geniessen noch einen herrlichen Sonnentag, bevor wir ebenfalls aufbrechen, aber nach Süden, um in den Liwonde Nationalpark zu fahren.


So viele Kinder leben hier im Dorf und immer, wenn wir ihnen begegne oder durch die enge Hauptstrasse fahren, werden wir mit lauten Rufen und Winken von den Kleinsten begrüsst. Die älteren Kinder finden das nicht mehr so cool und sie wissen bereits, dass es keine Süssigkeiten oder Geld gibt, wenn Autos von Mzungu (weisser Mensch europäischer Herkunft) vorbeifahren.
Gummitwist ist immer aktuell hier, auch wenn der Gummi aus Dutzenden von Stückchen zusammengesetzt ist.




Hauptstrasse mit Geschäften links und rechts, alles ziemlich nah und eng und laut, die einzige Zufahrt zu unserem Campsite geht durch ein Tor in die geschlossene Umgebung. Beim ersten Mal konnten wir kaum glauben, dass diese Hauptstrasse auch die direkte Zufahrt zur Lodge und Campsite ist.


Für mind. drei Tage fahren wir nach Süden in den Liwonde Nationalpark, allenfalls dann je nach Wetter noch weiter nach Zomba, einer alten Kolonialstadt in den Bergen.
In der Liwonde Safari Lodge finden wir bei 38 Grad und 85% Luftfeuchtigkeit einen guten Platz für unseren Ali direkt unter diesem grossen Baobab.
Und gottseidank gibt es eine prächtige Dusche, die wir mehrmals pro Tag benützen!


Obwohl es immer wieder leichter oder stärker regnet bei mind. 26-30 Grad (nachts 22-25 Grad) fühlen wir uns wohl an diesem Ort, der viele kleine Plätze und Aufenthaltsmöglichkeiten aufweist, wo wir auch wenige andere Reisende treffen. Überall gibt es Ausblicke und Einblicke, kleinere und grössere geschnitzte Gegenstände, Skulpturen und Masken, die eine besondere Atmosphäre schaffen.
Unter einem grossen Lapa-Strohdach können wir kochen und essen, oder uns mit Anderen treffen.
Auf diese Weise kommt auch der Entscheid zustande, gemeinsam eine Flussfahrt auf dem Shire-River zu unternehmen (es müssen mind. 5 Personen sein). Der Shire River entwässert den Malawi-See und fliesst als mäandrierender breiter Fluss südwärts. Derzeit ist der Wasserstand schon sehr hoch und setzt immer wieder Siedlungen unter Wasser.
Aufgrund des Regenwetters verzichten wir auf eine Selbstfahrt im grossen Nationalpark, obwohl es viele Elefanten geben soll: in dieser Jahreszeit und bei Regen halten sie sich gerne an geschützten Orten auf und sind nicht so einfach anzutreffen.


Aber Buschbock- u nd Waterbock-Antilopen sowie Büffel (aus der Ferne) sind fast täglich zu entdecken.


Küchenzeile freiluft und geschnitzte alte Bushbaby-Skulptur




Flussfahrt am Nachmittag auf dem Shire River : zunächst ist es noch ziemlich regnerisch,später können wir uns aber für 2 Stunden über die Sonne freuen.
Wir treffen vor allem eine vielseitige Baum- und Pflanzenwelt an, abgestorbene Bäume im Wasser (ertrunken), Papyrus, Auen, palmengesäumte Flussufer.
Die Tiere sind sehr scheu, viele Vögel fliegen sofort weg, wenn das Boot sich nähert und die Hippos tauchen einfach ab.......


Ein Schlangenhals-Vogel (african Darter)und ein Cattle Egret geniessen die Sonne und auf den Auen suchen Heilige Ibisse nach Fröschen und anderer Nahrung


Diesem Kingfisher ist es gelungen, einen Fisch zu ergattern: nicht ganz einfach, ihn dann auch hinunterzuschlucken!


Auch wir werden gut beobachtet



What a Beauty ist die Mitarbeiterin von der Liwonde Safari Lodge


Am Abend setzt wieder Regen ein und auch für die nächsten Tage ist Regen angesagt. Wir entscheiden uns, nicht weiter nach Süden und in die Berge zu fahren, da die Wolken sehr tief hängen und wir keine Lust auf Camping im Regen, Nebel, Wolken und bei 10-15 Grad haben. Wir erfahren, dass es viele Überschwemmungen gegeben hat und die Strasse nach Zomba voller wassergefüllter Schlaglöcher ist. Zudem wollen wir die Weihnachtstage wieder am Lake Malawi verbringen und nochmals nach Chembe zurückkehren. Die Wetteraussichten sind dort sehr viel besser.
Und tatsächlich: nach einer 4-std. Fahrt durch starken Regen und Herumkurven um wassergefüllte Schlaglöcher treffen wir bei trockenem Wetter wieder in Chembe an der Eagles Nest Campsite ein: fast etwas wie nach Hause kommen, als wir an der "Bootswerft" und am Backstein-Brennofen eingangs Dorf vorbeifahren (rundherum ist bereits Mais angesäht), die heute Abend stille Kinderkrippe passieren und schliesslich direkt am See unseren Platz für die nächsten Tage wieder beleben dürfen.




An Heiligabend wollen wir mit Steve nach dem Essen den Weihnachtsgottesdienst in der lokalen Kirche besuchen. Doch leider hat das Abendessen-Buffet mit den vielen guten Speisen mehr als eine Stunde Verspätung, es regnet wieder und Steve ruft an, dass wir unter den gegebenen Umständen doch lieber am 25. Dezember die Kirche besuchen. Wir sind nicht unglücklich, dass wir heute Abend nicht durch den Matsch im Dorf waten müssen.
Der Weihnachtstag beginnt am andern Morgen trocken und es ist ein Erlebnis, gemeinsam mit Steve durch das Dorf zu gehen: wie immer grüssen Dutzende von kleinen Kindern, wollen mit uns Mzungu gimme-five machen und sie lachen und winken.
Direkt neben der Kirche wird in grossen Töpfen Bier gebraut, auch heute....... es gibt für solche wichtigen Dinge keine Einschränkungen.




Der Gottesdienst ist von viel Fröhlichkeit und Musik geprägt und der Pfarrer will uns Gelegenheit geben, selber eines unserer eigenen Lieder zu singen. Wie gerne hätte ich das mit jemandem zusammen getan; alleine getraue ich mich nicht, ich weiss, dass meine Stimme brechen würde.
Aber das Schlussgebet spreche ich - im Anliegen der Menschen hier und im Sinn und Geist unserer Tradition -sehr gerne. Welch eine berührende Erfahrung.

Den Nachmittag verbringen wir am See, beobachten die Monkeys, die in den Bäumen über uns herumturnen und manchmal etwas herunterfallen lassen. Und plötzlich taucht in unserem Augenwinkel dieser kleine Waran, ein Rock-Monitor, auf: er hat sich einen Frosch ergattert, wer weiss wo in diesen Felsen. Und er schleppt ihn ziemlich weit, es ist keine einfache Sache. Sobald ich zu nahe komme, wuselt der Waran, der ausgewachsen gut doppelt so gross, bis zu 2m lang werden kann, wie der Blitz davon. Die Ende der Froschgeschichte erleben wir nicht mehr: dunkle Wolken ziehen auf und es geht nun darum, schnell alles regendicht zu machen.


Wetterkapriolen: hier eine gefährliche Windhose auf dem See. Sie wird von den Fischern sehr gefürchtet und dennoch sind derzeit viele Fischer auf dem See unterwegs.
Kurze Zeit später nähert sich einer von ihnen im Boot und offeriert uns resp. dem Lodge-Restaurant seinen frischen Fang: den Feinschmecker-Pandango und kleinere Fische.


....und weiter gehts zum nächsten Kunden......


Am 26. Dezember brechen wir wieder auf Richtung Westen: das Wetter lässt uns keine andere Wahl und wir wollen anfangs Januar in Botswana David und Manuela besuchen. Bis dort sind einige lange Fahrtage einzurechnen.
Zunächst fahren wir zum letzten Mal durch "unser" Dorf Chembe, an der Wasserstelle vorbei, wo auch wir jeweils Wasser geholt haben. Unser Weg führt von der flachen Ebene um den Malawi-See in die Berge nach Dedza, einem grossen Dorf resp. kleiner Stadt auf rund 1500 MüM.
Es regnet...... Die mühsamsten zweieinhalb Stunden brauchen wir für die bekannte Schlaglöcher-"Strasse" von 50 km von Mangochi nach Golomoti. Doch dann freuen wir uns über die Pass-Strasse über den Golomoti-Pass durch regenzeitgrüne Agrar-und Berglandschaft: alle Felder sind sehr akkurat bewirtschaftet, gepflügt und bepflanzt, überall an der Strasse werden uns frische Mangos, Kartoffeln und Maniok angeboten.




Unterwegs treffen wir auf wenige Verkaufsstände von Holzschnitzern: sie stellen Spielzeuge und Fahrzeuge in Miniatur-Format her, die sich bewegen lassen: wir sind begeistert, können aber natürlich keinen Landrover kaufen, dessen Räder sich bewegen und Motorhaubendeckel sich öffnen lässt. Aber wir sind beeidruckt vom John-Deere Traktor und den Velos: alles Handarbeit und kleinste Details stimmen. Natürlich sind wir nun stolze Besitzer eines Velos (ist ja Staatsgefährt Nr. 1 in Malawi) mit Korb auf dem Gepäckträger, die Pedalen lassen sich bewegen, die Räder drehen, die Lenkstange ebenso und die Reifen aus Gummi haben sogar Profil!


Und dann auf dem Pass oben die Begegnung der besonderen Art:
beim Aussteigen sehe ich auf der anderen Strassenseite diese beiden Männer. Es platzt einfach aus mir heraus: "you must be a real Chief" !
Dieser lacht über meine naiv-bewundernde Perplexität, einem richtigen Chief zu begegnen und bestätigt es mir. Er erlaubt sogar, ihn und seinen Fahrer zu fotografieren. Man beachte den Kopfschmuck, das Zepter in seiner Hand (das darf nie fehlen!) und den Anzug. Und natürlich lässt sich ein Chief fahren, auch wenn es regnet.
Ist er nicht einfach ein schöner Mensch?


Wir erreichen nach einem Mittagessen in Dedza in den malawischen Bergen - im offenen Restaurant bei ca. 15 Grad im Regen, aber wunderbar schmeckenden scharfem Brathuhn mit Reis - schliesslich die Hauptstadt Lilongwe, wo wir übernachten. Der Campingplatz ist einfach und wir sind froh, am anderen Morgen früh Richtung Sambia aufzubrechen.
Die Fahrt führt durch viele Dörfer voller Menschen auf der Strasse und Märkten am Strassenrand, fliegenden Händlern.


Die Grenzformalitäten sind mit sehr freundlichen Beamten innert einer knappen Stunde erledigt und wir erreichen nach 20 km Chipata. Und wie immer in jedem neuen Land oder nach einigen Wochen gilt es, die SIM Karte zu reaktivieren, Data- und Gesprächsguthaben aufzuladen. Die jungen Leute in den Kabäuschen, wo man solche Angelegenheiten am Strassenrand erledigt, sind einfach immer hilfreich, schnell, kompetent und freundlich. Wir haben mehrfach bemerkt, dass sie auch problemlos und gleichzeitig drei Leute bedienen und alles im Griff zu haben scheinen mit Aufladen, Geld überweisen, Daten kontrollieren, techn. Probleme lösen etc.
Und währenddessen flitzen wieder die lustigen Tächli-Töffli an uns vorbei......


Wir fahren bis Petauke zur Campsite der Chimwembe Lodge. Wie froh sind wir, dass bei unserer Ankunft am Nachmittag die Sonne scheint und die Luftfeuchtigkeit um 20% abgenommen hat: also Kleider und Matratze und Decken an die Sonne, auch wenn es nur für 2 Stunden ist, bis die Abendfeuchtigkeit kommt.
Morgen liegt die lange Strecke nach Lusaka vor uns; wir wissen, dass die Strassenverhältnisse ziemlich gut sind und freuen uns auf eine ruhige Fahrt.
Es kommt dann etwas anders:
der Wedges-Verkäufer an der Strasse ist geschäftig, der verunfallte Lastwagen eindrücklich.......


Die Brücke über den zu dieser Jahreszeit breiten und stark strömenden Luangwa-Fluss (an dessen Ufern wir im South Luangwa NP gecampt haben, letzter Bericht) darf nur mit jeweils einem Fahrzeug befahren werden.


Unsere Fahrt verläuft zügig und wir freuen uns, früh in Lusaka im Pioneer-Camp anzukommen. Doch nach drei Stunden steht eine unendliche, kilometerlange Schlange von grossen Lastwagen vor uns: wir können vorbeifahren, werden jedoch irgendwann aufgehalten mit dem Hinweis, dass eine Brücke kaputt sei, Notmassnahmen getroffen werden und Fahrzeuge wie unseres auf eine Umleitung geschickt werden müssen. Gehorsam wie wir in einem fremden Land sind, machen wir uns auf den Umweg. Schon nach einem Kilometer schaltet Ueli den 4x4 ein, die Naben werden geschlossen. Wir gelangen auf eine unerwartete Offroad-Piste, die es in sich hat:
tief ausgewaschene Rillen bergauf und -ab, grosse Schlammstrecken mit black-cotton-soil, Steine und Holz auf dem Weg. Wir folgen den wenigen im feuchten Boden sichtbaren Fahrspuren. Zm Glück regnet es nicht. Irgendwann weisen Kinder uns eine Abzweigung zu, die wir anzweifeln, die Kinder aber mit Nachdruck darauf bestehen. Wir folgen erneut den Anweisungen und treffen nach kurzer Zeit auf einen im Schlamm stecken gebliebenen Lastwagen und ca. 20 junge Männer, die uns inständig um Abschlepphilfe und um etwas zu Essen bitten. Letzterer Bitte können wir mit Brot und Bananen nachkommen, aber Abschleppen wollen wir auf keinen Fall probieren. Da kommt sofort die Erinnerung an Lesotho hoch und wir wollen in diesem Schlamm keine Manöver versuchen mit einem viel schwereren Gefährt als unserem und selber stecken bleiben. Und wie immer in solchen herausfordernden Situationen fährt Ueli einfach super ruhig und total konzentriert mit Untersetzung......Ali und Ueli machen es einfach total gut!
Ich vergesse in solchen Situationen das Dokumentieren....... streckenweise erinnert es mich an Bilder von Isabelle über die Leopard Hill Road und ich will einfach wieder in bewohntes Gebiet und in die Nähe der Teerstrasse kommen.



Insgesamt sind nach meiner Zählung - bei ca. 800 habe ich aufgehört!- so viele Trucks und ein paar wenige normale Autos auf beiden Seiten der zusammengebrochenen Brücke unterwegs, dass es auf keinen Fall möglich ist, am selben Tag die nur mit der hier sichtbaren Notmassnahme passierbare Umfahrung anstelle der kaputten Brücke zu überqueren. Hunderte von Lastern und wohl auch Privatfahrzeugen müssen heute und morgen auf der Strasse übernachten.
Wir sind nach der unerwarteten fast 2-std.Offroad-Fahrt total froh, heil an der Teerstrasse direkt bei der kaputten Brücke, jedoch auf der für unser Ziel richtigen Seite, anzukommen!
Das Bild links ist ein Schnellschuss aus dem Auto und zeigt, dass ein Bagger ein Not-Trassee errichtet hat und je einzeln ein Lastwagen und eine kleine Gruppe von Privatfahrzeugen hinter ihm her in einer Richtung fahren können. Dann fährt der Bagger wieder zurück und es dürfen ein bis zwei Fahrzeuge aus der anderen Richtung hinter ihm her fahren.
Als wir im Pioneer Camp in Lusaka ankommen, erfahren wir, dass im Fernsehen bereits über diese Situation auf der Great East Road berichtet worden ist.
unser Fazit:
rechne immer mit Überraschungen und Unerwartetem, aber sie können auch ganz gut ausgehen!

Unsere unerwartete und glückliche Regenzeit - Reise 2025 in Malawi

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